Mieczyslaw Malinowski (geb. 30. Dezember 1877 in Posen; gest. 14. Dezember 1958 ebenda) war ein erfolgreicher Posener Unternehmer. Im Jahr 1903 erwarb er ein Geschäft am Alten Markt Nr. 85 von dem jüdischen Kaufmann Chirschbruch. Da seine Geschäfte florierten, kaufte er 1905 von einem weiteren jüdischen Händler, Hermann Lubinski, ein Bekleidungsunternehmen samt Mietshaus am Alten Markt 57. Dort betrieb er auf zwei Etagen einen Basar für Damenbekleidung. 1909 baute er das Gebäude um und eröffnete zehn Jahre später erfolgreich eine Fabrik für Damenmode.
Während polnische Soldaten nahe Warschau das Vorrücken der Roten Armee stoppten, vollendete Mieczysław Malinowski den Bau seines privaten Rückzugsortes in der Karol-Libelt-Straße 5 (heute Nr. 33). Die Villa war hervorragend konzipiert und fügte sich perfekt in den Stübben-Ring ein, jenes prachtvolle Stadtensemble, das noch vor dem Ersten Weltkrieg geplant worden war. Ab 1920 bewohnte die Familie Malinowski dieses prächtige Anwesen.
Aus Fotos und Erinnerungen von Personen, die der Familie nahestanden, wissen wir, dass Mieczysław Malinowski recht gut Geige spielte und eine Vorliebe für Zaubertricks aller Art pflegte, während seine Tochter Janina und seine Ehefrau Maria ein ordentliches Klavierspiel beherrschten. Bei den zahlreichen Empfängen in der Villa gaben sie oft gemeinsame Konzerte für Freunde und Verwandte.
Mieczysławs fotografische Reisesouvenirs und die Tagebucheinträge seiner Tochter lassen darauf schließen, dass die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre keine nennenswerten Spuren in seinen Geschäften hinterlassen hat. Die häufigen Reisen in jenen Jahren in berühmte Kurorte in Italien, Frankreich und der Schweiz, in die Türkei und sogar nach Amerika sowie Reisen innerhalb Polens sprechen für sich. Er war zudem ein ausgezeichneter Skifahrer. Er sorgte für eine erstklassige Ausbildung seines Sohnes im Ausland und seiner Tochter zu Hause.
Die Familie Malinowski führte im Posen der Vorkriegszeit ein wohlhabendes Leben. Es ist bis heute nicht bekannt, aus welchem Grund unser Protagonist die Villa in der Libelt-Straße 5 im Jahr 1929 an den Kaufmann Stanisław Bittner verkaufte.
Stanislaw Bittner (geb. 23.10.1885 in Żerków – gest. 1946 in Posen) erwies sich als äußerst tatkräftiger Kaufmann. Als Besitzer von zehn Mietshäusern in Posen und mehreren Geschäften führte er ein Leben, das seinem Wohlstand entsprach. Die Villa in der Libelt-Straße 5 (heute Nr. 33) erwarben die Bittners im Jahr 1929 von Mieczysław Malinowski und lebten dort glücklich bis Mitte September 1939.
Aus Fotografien wissen wir, dass Stanisław sehr aktiv in Kaufmannsverbänden sowie in der Posener Schützenbruderschaft war. Mit seinem eigenen Auto der Marke Fiat unternahm er oft Familienausflüge ans Meer nach Gdingen sowie ins Ausland.
Nach der Übernahme Posens durch die Deutschen Mitte September 1939 mussten die Bittners ihre Villa und ihren gesamten Besitz innerhalb von nur 15 Minuten verlassen. Wichtige Dokumente und Fotografien gingen verloren, lediglich ein Familienalbum und eine Kamera konnten in einem hastig gepackten Koffer gerettet werden.
Nachdem die Besatzungsbehörden den Straßennamen in Dietrich-Eckart-Straße geändert hatten, wurde die Villa als Offiziersclub für hohe deutsche Offiziere genutzt. Trotz der heftigen Befreiungskämpfe um die Stadt im Jahr 1945 überstand das Gebäude den Krieg fast unbeschadet. Leider wurde die Inneneinrichtung komplett geplündert, Möbel und Hausrat verschwanden, und in vielen Fenstern fehlte das Glas.
Nach ihrer Rückkehr aus der kriegsbedingten Flucht begannen die Bittners sofort mit der Renovierung der Villa. Doch bereits 1947 wurde ihnen die „Gesellschaft“ von 14 fremden Familien aufgezwungen, und das Gebäude ging in städtisches Eigentum über. Während der kommunistischen Ära wurde es als Mietshaus genutzt und verfiel von Jahr zu Jahr mehr. Erst nach der politischen Wende erhielten die Erben der Familie Bittner die Villa zurück, passten sie teilweise als Büroräume an und verkauften sie nach einigen Jahren an die Gesellschaft P1 Nieruchomości.
Heute erstrahlt die über 100-jährige Villa, die mit größter Sorgfalt und Ehrfurcht restauriert wurde, wieder im alten Glanz am Stübben-Ring – zur Freude und zum Komfort unserer Hotelgäste sowie der Einwohner von Posen. Sie ist ein exzellentes Beispiel für die gelungene Revitalisierung eines historischen Gebäudes, das sich von einer Familienvilla in ein charmantes Boutique-Hotel mit Seele verwandelt hat. Und möge es so bleiben…
Eine ausführlichere historische Studie von Przemysław Warkocki, bereichert durch Reproduktionen von Erinnerungsstücken der Familien Malinowski und Bittner, liegt für alle Interessierten vor Ort bereit. Besuchen Sie uns auf einen Kaffee, einen Cocktail, zum Mittag- oder Abendessen im L33 Bistro&Bar im Erdgeschoss und erfahren Sie alles über die Einzigartigkeit unserer Villa Liberté.